Fachlehrgang Jungen*arbeit

Aufbau des Lehrgangs

Der Lehrgang ist modular aufgebaut und umfasst sechs inhaltlich aufeinander abgestimmte Module der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit mit gewaltpräventivem Ansatz. Neben fachlichen Inhalten liegt ein Schwerpunkt auf der Reflexion professioneller Haltungen und der Stärkung von Handlungssicherheit im beruflichen Alltag.

Klappen Sie ein Modul auf, um Inhalte, Schwerpunkte und Lernziele zu sehen. Jedes Modul findet freitags 10–18 Uhr und samstags 9–16 Uhr statt.

1 Männlichkeiten weiterdenken Grundlagen geschlechterfokussierter Jungen*arbeit 16. & 17.10.2026 · mit Elli Scambor & Jayda Sauseng

Wie kann Jungenarbeit heutigen gesellschaftlichen Realitäten gerecht werden? Dieses Modul bietet einen fundierten und praxisnahen Einstieg in zentrale geschlechtertheoretische Ansätze und deren Bedeutung für die pädagogische Arbeit. Es richtet sich an Fachkräfte, die Jungen in ihrer Vielfalt – einschließlich cis, trans* und queerer Lebensweisen – differenziert begleiten und ihre eigene professionelle Haltung reflektieren möchten.

Im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, fachlichen Ansprüchen und konkretem pädagogischem Handeln werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso aufgegriffen wie zentrale Herausforderungen aus der Praxis der Jungen*arbeit.

Schwerpunkte des Moduls

  • Geschlecht & Sozialisation: Sie vertiefen aktuelle Erkenntnisse der Genderforschung und setzen sich mit Heteronormativitätskritik sowie sexueller und geschlechtlicher Vielfalt auseinander.
  • Männlichkeitskonzepte & Handlungsperspektiven: Sie lernen, Männlichkeit als soziale Praxis zu verstehen, und reflektieren unterschiedliche, teils widersprüchliche Männlichkeitspraxen – auch im Kontext von Transmännlichkeiten und queeren Perspektiven.
  • Erwartungen vs. Realität: Sie analysieren die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Anforderungen an Jungen*arbeit und der tatsächlichen Praxis – insbesondere im Hinblick auf die Rolle von Fachkräften, deren Gender und weitere soziale Positionierungen.
  • Selbstreflexion: Sie setzen sich kritisch mit eigenen Werten, Normen und biografischen Prägungen auseinander und reflektieren deren Einfluss auf pädagogisches Handeln.
Ziel des Moduls

Sie erwerben grundlegendes geschlechtertheoretisches und intersektionales Wissen und entwickeln ein reflektiertes Verständnis Ihrer professionellen Rolle. Dadurch stärken Sie Ihre Fähigkeit, Jungen*arbeit bewusst, differenziert, inklusiv und fachlich fundiert zu gestalten.

2 „Boys will be Boys?!“ Methoden und Praxis der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 27. & 28.11.2026 · mit Stefan Glaser & Philipp Leeb

Dieses Modul richtet sich an Fachkräfte, die ihre Kompetenzen in der geschlechterreflektierten Arbeit mit Jungen* vertiefen und praxisnah erweitern möchten. Im Zentrum steht die Verbindung von theoretischen Grundlagen aus Modul 1 mit konkreten methodischen Ansätzen, die direkt in die Arbeit mit Jungen* übertragen werden können. Eine Teilnahme an diesem Modul ist auch möglich, ohne eines der anderen Module zu besuchen.

Ausgehend von zentralen Konzepten der geschlechterreflektierenden Pädagogik setzen sich die Teilnehmenden methodisch mit der sozialen Konstruktion von Männlichkeiten, mit Geschlechterrollen sowie mit gesellschaftlichen Erwartungen auseinander. Dabei wird reflektiert, wie diese Aspekte das Verhalten von Jungen* prägen und welche Bedeutung sie für pädagogisches Handeln haben.

Schwerpunkte des Moduls

  • Beziehungen & Zugänge: Vertrauensaufbau, Kontaktgestaltung sowie der Umgang mit Widerständen und gruppendynamischen Prozessen – bei gleichzeitiger Reflexion der eigenen professionellen Haltung.
  • Methodische Vielfalt: Einblick in Einzel- und Gruppensettings (gemischt sowie geschlechtshomogen); aktivierende und reflexive Methoden werden im geschützten Rahmen (safer space, brave space) erprobt.
  • Ressourcenorientierung: Statt problemzentrierter Perspektiven stehen Konzepte wie „Caring Masculinities“ im Vordergrund – alternative, stärkende Männlichkeitsbilder und gemeinsam erarbeitete Handlungsmöglichkeiten abseits rigider Normen.
  • Praxistransfer: Anhand konkreter Übungen und Fallbeispiele werden Methoden ausprobiert, reflektiert und auf den eigenen Arbeitskontext übertragen.
Ziel des Moduls
  • Vertiefung geschlechterreflektierter Jungen*arbeit mit Praxisbezug
  • Verbindung von Theorie und direkt anwendbaren Methoden
  • Reflexion von Männlichkeitsbildern und Geschlechterrollen
  • Stärkung von Beziehungsarbeit und Umgang mit Gruppendynamiken
  • Fokus auf ressourcenorientierte, stärkende Männlichkeitskonzepte
3 Gewalt, Radikalisierung und Resilienz in der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 12. & 13.02.2027 · mit Romeo Bissuti, Alex Moschitz & Hubert Steger

„Wie können Fachkräfte Jungen* im Spannungsfeld von Gewalt, Radikalisierung und Resilienz kompetent begleiten?“

Dieses Modul vermittelt praxisnahes und theoretisch fundiertes Wissen zu Gewalthandlungen und -erfahrungen von Jungen* sowie zu Prozessen der Radikalisierung und der Stärkung von Resilienz. Aktuelle Erkenntnisse aus der Geschlechterforschung werden mit praxisorientierten Ansätzen der Prävention und Intervention verbunden.

Schwerpunkte des Moduls

  • Männliche Sozialisation & Gewalt: empirische Erkenntnisse zu Gewalt im Kontext männlicher Sozialisation; Konzepte wie Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit im Zusammenhang mit Geschlecht.
  • Radikalisierung & Extremismusprävention: Radikalisierungsprozesse erkennen – etwa durch Codes, Dog Whistling und gruppenbezogene Dynamiken; Stärkung von Demokratieverständnis und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
  • Resilienz verstehen und fördern: Resilienz auf individueller und struktureller Ebene gezielt in der pädagogischen Praxis stärken.
  • Präventionsstrategien: frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren, gewaltfreie Konfliktlösung und professioneller Umgang mit Gewaltvorkommnissen.
  • Gewalt, Geschlecht & Behinderung: Sensibilisierung für die besonderen Herausforderungen im Zusammenspiel dieser Dimensionen für eine inklusive Praxis.
Ziel des Moduls

Sie erwerben fundierte Kenntnisse zu Gewalt, Radikalisierung und Resilienz im Kontext von Jungen*arbeit und entwickeln Handlungssicherheit im Umgang mit herausfordernden Situationen – präventiv, reflektiert und ressourcenorientiert.

4 Intersektionalität, Diversität und Privilegien in der emanzipatorischen Burschenarbeit 16. & 17.04.2027 · mit Reza Bahrami, Erich Lehner & Romeo Bissuti

„Wie können Fachkräfte Jungen* in ihrer Vielfalt wahrnehmen und sie zu einem reflektierten Umgang mit Privilegien, Macht und gesellschaftlicher Ungleichheit befähigen?“

Dieses Modul vermittelt praxisnahes und theoretisch fundiertes Wissen zu Intersektionalität, Diversität und Privilegien im Kontext der emanzipatorischen Burschenarbeit. Im Fokus stehen die Verschränkung verschiedener Diskriminierungs- und Privilegierungsformen sowie deren Auswirkungen auf Lebensrealitäten von Jungen*.

Schwerpunkte des Moduls

  • Intersektionalität verstehen: das Zusammenspiel von Geschlecht, Herkunft, sozialem Status, Behinderung, sexueller Orientierung und weiteren Differenzkategorien.
  • Diversitätssensible Perspektiven: Vielfalt als Ressource in pädagogischen Settings wertschätzen und aktiv einbeziehen.
  • Privilegien und Macht reflektieren: eigene und gesellschaftliche Privilegien, strukturelle Diskriminierung, Dominanzkultur und kritisches Weißsein.
  • Diskriminierung erkennen: Rassismus, Klassismus, Ableismus, Homo- und Transfeindlichkeit erkennen, benennen und pädagogisch aufgreifen.
  • Machtkritische Praxis: konkrete Methoden für einen solidarischen, respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Vielfalt und Ungleichheit.
Ziel des Moduls

Sie erwerben fundierte Kenntnisse zu Intersektionalität, Diversität und Privilegien und stärken Ihre Fähigkeit, diskriminierungssensibel, reflektiert und emanzipatorisch zu handeln.

5 Out of the Manosphere Beziehungsarbeit und digitaler Raum 18. & 19.06.2027 · mit Simon Brezina & Albert Witting

Dieses Modul bietet einen fundierten und praxisnahen Zugang zu digitalen Räumen, in denen Jungen* adressiert, geprägt und teilweise gezielt beeinflusst werden. Im Fokus stehen Online-Welten und -Subkulturen, die Jungen* in ihrem Jungen*Sein ansprechen, sowie die Frage, wie Fachkräfte diesen Dynamiken professionell begegnen können.

Im Spannungsfeld zwischen digitalen Sozialräumen, pädagogischem Auftrag und Beziehungsarbeit entwickeln wir Handlungsperspektiven für die Begleitung, Beratung und Stärkung von Jugendlichen und reflektieren zugleich die eigene Mediennutzung und professionelle Haltung.

Schwerpunkte des Moduls

  • Digitale Lebenswelten & antifeministische Subkulturen: Auseinandersetzung mit der „Manosphere“ – Ideologien, Kommunikationsweisen und Einfluss auf Jungen* und junge Männer.
  • Radikalisierungsdynamiken: wie Radikalisierung in digitalen Räumen verläuft und welche Übergänge zu extremistischen Inhalten bestehen können.
  • Parasoziale Beziehungen: wie emotionale Bindungen im Kontext von Influencern, Plattformen und KI-basierten Angeboten entstehen und pädagogisch thematisiert werden können.
  • Sucht, Sexualität & digitale Medien: Online-Konsum, Suchtverhalten und sexuelle Sozialisation; Pornografie und altersinadäquate Inhalte im Hinblick auf Prävention.
  • Beratung & Gesprächsführung: Online- und Offline-Beratung zu digitalen Themen sowie Selbstreflexion der eigenen Medienpraxis.
Ziel des Moduls

Die Teilnehmenden erwerben grundlegendes Wissen zu digitalen Subkulturen wie der Manosphere und entwickeln ein differenziertes Verständnis für deren Bedeutung im Alltag von Jungen* – um fachlich fundiert zu begleiten, Risiken früh zu erkennen und angemessen zu intervenieren.

6 Qualität und Professionalität in der Jungen*arbeit Transfer, Reflexion und Abschluss 10. & 11.09.2027 · mit Elli Scambor & Michael Kurzmann

Im sechsten Modul steht die Präsentation der eigenen Praxisarbeiten im Zentrum, die gemeinsam reflektiert und kritisch gewürdigt werden. Darauf aufbauend erfolgt der Transfer in die jeweiligen Tätigkeitsfelder der Teilnehmenden, wobei Herausforderungen, mögliche Fallstricke sowie vorhandene Ressourcen in den Blick genommen werden – auch unter Einsatz kreativer Methoden.

Schwerpunkte des Moduls

  • Präsentation der eigenen Praxisarbeiten, kollegiale Reflexion und kritische Würdigung
  • Transfer des Gelernten in das eigene Tätigkeitsfeld – Herausforderungen, Fallstricke und Ressourcen erkennen und bearbeiten
  • Entwicklung von Argumenten und Strategien für die geschlechterfokussierte Jungen*arbeit (fachlicher Impuls und Rollenspiel)
  • Abschlussreflexion des gesamten Lehrgangs
  • Weiterdenken-Impuls für die Praxis der Jungen*arbeit
Ziel des Moduls

Die Teilnehmenden reflektieren ihre Praxisarbeiten fundiert, stärken ihre Handlungssicherheit und entwickeln konkrete Strategien für den Transfer in ihren beruflichen Alltag.

Einzelne Module sind grundsätzlich buchbar – Teilnehmer*innen des Gesamtlehrgangs werden bevorzugt.

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